Issan  Dorsay Roshi, Gründer des Hartfort Street Centers, des ersten Aids-Hospizes in San Francisco, dessen Leben eindrucksvoll im Buch „Street Zen“ beschrieben wird, antwortete einmal auf die Frage eines Journalisten, was er zum engagierten Buddhismus sagen kann:
„Ich weiß nichts über engagierten Buddhismus, ich weiß nur, wenn jemand hinfällt, helfe ich ihm auf.“

In dieser Intention versuche ich, meine Praxis mit anderen zu teilen.
Aber wir brauchen Worte, um dieses Teilen mit der Gesellschaft und ihren Institutionen nutzbar zu machen. Der Begriff „Seelsorge“ ist im buddhistischen Kontext im Westen noch ein sehr neues Wort. Mir persönlich liegt der Begriff „Contemplative Care“ sehr am Herzen, denn das Wort „Seelsorge“ kann in die Irre führen und hat sicher keine einfache Geschichte. Aber in der deutschen Sprache gibt es keinen Ausdruck, der ein besseres Gefühl dafür vermittelt, es besser be- und umschreibt, warum es geht.

Im Diamantsutra heißt es: „Und wenn die nicht zu zählende, unermessliche, unendlich große Anzahl der Wesen befreit ist, denken wir nicht, dass auch nur ein einziges Wesen befreit ist“.
(aus „Das Diamantsutra: Der Diamant, der die Illusion durchschneidet“ Thich Nhat Hanh 1996, edition steinrich)

Diese Einsicht kommt aus der Erfahrung heraus, dass alles mit allem in permanenter, wechselseitig bedingter Verbindung steht. Diese Verbindung permanent zu erleben ist eine tief in mir verwurzelte Sehnsucht. Shunryu Suzuki sprach vom „innermost request“. Dieser „innermost request“ generiert eine permanente, beständig andauernde Übung, nie endend.
Die Übung, sich um andere zu kümmern, bietet die Möglichkeit, aus unseren alltäglichen Komfortzonen, auch Zen-Praxiskomfortzonen, heraus zu treten und unsere innerste Intention ohne die üblichen Beurteilungen und Bewertungen zu leben. Diese Erfahrung strahlt in unser ganzes Leben aus und kann unsere Sichtweisen nachhaltig transformieren!

Eine Annäherung an den Begriff Seelsorge findet Ihr in meinem Artikel für das ÖBR Magazin 3/2018