Die folgende Geschichte hat mich tief berührt und sie zeigt sehr gut, wie die Dinge in wechselseitger Bedingtheit stehen – eine der grundlegenden Erkenntnisse im Buddhismus.

Marie Nenning aus Amstetten geriet Mitte 1944 ins Visier der Polizei. Damals hatte sie einen Wachtmeister tätlich angegriffen. »Die Nenning wurde sogleich renitent«, schrieb der Polizist an das Landesgericht in der Kreishauptstadt St. Pölten, »und schlug mit den Händen gegen den Kopf des Pol. Beamten und versuchte ihn zu kratzen, was aber durch Mithilfe des Funk abgewehrt werden konnte.« Nenning wurde im April 1945 ins Konzentrationslager Mauthausen eingewiesen – mitten ins Chaos der letzten Wochen, in denen Tausende ermordet wurden, an den Folgen der Haft, der systematischen Aushungerung und der miserablen Unterbringung im überfüllten Konzentrationslager starben. Noch am Tag der Befreiung des KZs Mauthausen brach die Frau auf, zu Fuß in ihren Heimatort Amstetten. Auf dem Weg holte sie ihren Sohn ab, der ihre unzähligen Wutausbrüche ebenso wie ihre plötzliche Verhaftung miterlebt hatte und daher bei Pflegeeltern untergebracht worden war. Marie Nenning, geborene Fritzl, hatte 1935 Josef auf die Welt gebracht.

(Teil eines Artikels von Andreas Kranebitter, erschienen in der Zeit Nr. 51/2013-Österreich Teil, der Kriminalfall Josef Fritzl ist einer der dramatischsten Fälle in der österreichischen Nachkriegsgeschichte)

 

In meiner Arbeit als Seelsorger begegne ich in den Geschichten meiner Schützlinge sehr häufig dem Thema Krieg, oft nicht selbst erlebt, und meist nicht wirklich greifbar, aber in der eigenen Historie tief verwurzelt und verankert.

Viele Therapeuten berichten die letzten Jahre über einen Anstieg der Klienten mit übertragenen Kriegstraumata. Die deutsche Journalistin Sabine Bode beschreibt in ihren Büchern „Kriegskinder“ und „Kriegsenkel“ eindrucksvoll, wie sich diese Geschichten in unsere heutige Zeit übertragen und somit noch immer präsent sind.

Und es entstehen täglich neue Geschichten durch die aktuellen Kriege, immer weiter, gerade jetzt in der Ukraine und Russland, Syrien, Irak, Sudan und so fort.
Erst vor 20 Jahren endete der letzte Krieg mitten in Europa in Jugoslawien. Ein Krieg, der in Österreich noch sehr präsent ist, alleine 300000 Menschen aus Ex Jugoslawien leben heute in Österreich.

Ich unterstütze die Aufarbeitung und Bewusstwerdung der eigenen Kriegsgeschichten durch meine Arbeit.
Mehr finden sie unter „mein Angebot“